Igel im eigenen Garten: Wie kann ich sie halten?

Wer hätte gedacht, dass der stachelige kleine Bewohner unseres Gartens nicht nur niedlich anzusehen, sondern auch von unschätzbarem Wert für das Ökosystem ist? Igel sind faszinierende Geschöpfe und erfreuen sich großer Beliebtheit bei Naturfreunden. Doch um Igel in unserem Garten dauerhaft willkommen zu heißen, gibt es einiges zu berücksichtigen.

Um Igel in Ihrem Garten artgerecht zu halten und zu fördern, müssen Sie ihnen naturnahe Lebensbedingungen schaffen, die Sicherheit bieten und ihre Futter- und Schutzbedürfnisse erfüllen. Dazu ist es wichtig, den Garten igelfreundlich zu gestalten, Verstecke und Nistmöglichkeiten zu bieten und auf chemische Schädlingsbekämpfung zu verzichten.

Wir werden uns zunächst mit einigen Grundlagen vertraut machen. Es ist entscheidend, Igel und ihre Lebensweise zu verstehen, um ihnen ein geeignetes Umfeld bieten zu können. Des Weiteren klären wir, warum sie eine Bereicherung für jeden Garten sind und welche rechtlichen Aspekte bei der „Haltung“ von Igeln beachtet werden müssen.

Was Sie über Igel wissen sollten

Igel sind in Deutschland heimische Säugetiere, die meist nachtaktiv sind und sich von Insekten, Schnecken und Würmern ernähren. Diese kleinen Insektenfresser sind jedoch nicht nur Nahrungsspezialisten; sie haben auch einzigartige Verhaltensweisen und benötigen spezifische Lebensräume.

Das natürliche Verhalten der Igel reicht von der nächtlichen Nahrungssuche über das Einrollen bei Gefahr bis hin zu jahreszeitlich bedingten Verhaltensweisen wie dem Winterschlaf. Für optimale Lebensbedingungen sollte der natürliche Lebensraum der Igel – dicht bewachsen und reich an Unterholz – im eigenen Garten nachgebildet werden.

Da Igel zu den schützenswerten Arten gehören, sollte man sich eingehend mit ihren Bedürfnissen und der artgerechten Unterstützung auseinandersetzen. Eine naturnahe Umgebung, die Schutz und Nahrung bietet, ist für die Gesunderhaltung und das Wohlbefinden der Igel von größter Bedeutung.

Kernpunkte:

  • Igel sind nachtaktiv und ernähren sich von Insekten und kleinen Wirbellosen.
  • Sie benötigen ein natürliches Habitat mit Versteck- und Nistplätzen.
  • Das Verständnis für deren Lebensweise ist entscheidend für die Schaffung artgerechter Bedingungen.

Warum Igel nützlich im Garten sind

Igel leisten einen wichtigen Beitrag zur Schädlingsbekämpfung in Ihrem Garten. Als Insektenfresser helfen sie, das Gleichgewicht in der Natur zu erhalten und schädliche Schnecken sowie Insektenpopulationen in Schach zu halten.

Ein einziger Igel kann in einer Nacht viele hundert Insekten und andere kleine Schädlinge vertilgen. Daher sind sie eine ökologisch wertvolle Unterstützung für jeden Gärtner, der auf chemische Pestizide verzichten und zu naturnahem Gartenbau übergehen möchte.

Durch die Ansiedlung von Igeln tragen Sie außerdem zur Artenvielfalt bei. Verschiedene Tier- und Pflanzenarten profitieren von der Anwesenheit dieser nützlichen Tiere, da Igel als Teil eines komplexen Ökosystems eine Schlüsselrolle spielen.

Kernpunkte:

  • Igel sind natürliche Schädlingsbekämpfer und sparen dem Gärtner den Einsatz von Pestiziden.
  • Ein einzelner Igel kann Hunderte von Schädlingen in einer Nacht vertilgen.
  • Die Förderung von Igeln trägt zur Artenvielfalt und zur Balance des Ökosystems bei.

Die rechtlichen Aspekte der Igelhaltung

Es ist wichtig zu verstehen, dass Igel Wildtiere sind und in Deutschland gesetzlich geschützt sind. Eine „Haltung“ im eigentlichen Sinne, wie bei Haustieren üblich, ist daher nicht erlaubt. Ziel sollte es stattdessen sein, den Igeln einen natürlichen Lebensraum zur Verfügung zu stellen, in dem sie frei leben können.

Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt vor, dass es verboten ist, Igel zu fangen, zu verletzen oder in ihren Lebensräumen zu beeinträchtigen. Das Ziel aller Maßnahmen sollte es also sein, den Igeln zu helfen und sie zu schützen, ohne sie als Haustiere einzusperren oder ihren natürlichen Lebensraum einzuschränken.

In Not geratene Igel, beispielsweise verletzte oder kranke Tiere, dürfen aufgenommen und zur Pflege vorübergehend bei sich behalten werden. Allerdings sollte dies nur in Absprache mit Fachleuten oder Auffangstationen geschehen, und die Tiere sollten nach Möglichkeit wieder in die Freiheit entlassen werden.

Kernpunkte:

  • Igel sind Wildtiere und gesetzlich geschützt; sie dürfen nicht wie Haustiere gehalten werden.
  • Das Ziel ist die Schaffung eines naturnahen Lebensraumes, nicht das Einfangen und Einsperren.
  • Hilfsbedürftige Igel dürfen mit sachkundiger Unterstützung gepflegt, müssen aber wieder freigelassen werden.

Ideale Bedingungen im Garten schaffen

Um unseren stacheligen Freunden ein passendes Zuhause zu bieten, sollten wir unseren Garten möglichst naturnah gestalten. Wildwiesen, heimische Sträucher und eine Vielfalt an Pflanzen schaffen ideale Bedingungen für Igel und deren Nahrungsquellen. Laubhaufen, Komposthaufen oder Totholz bieten zusätzliche Versteck- und Überwinterungsmöglichkeiten.

Ebenso essenziell ist das Anlegen von Unterschlüpfen, wie zum Beispiel speziellen Igelhäusern, die Schutz vor Witterung und Fressfeinden bieten. Diese sollten in ruhigen, versteckten Gartenbereichen aufgestellt werden, um den Igeln die nötige Ruhe zu garantieren. Auch ein Gartenteich kann igelfreundlich gestaltet werden – achten Sie hierbei auf flache Ränder oder Ausstiegshilfen, damit die Igel sicher trinken und bei einem ungewollten Bad leicht entkommen können.

Natürliche Gartengestaltung ist nicht nur für die Igel von Vorteil, sondern auch für den Gärtner: Sie reduziert den Pflegeaufwand und ermöglicht eine entspannte Beobachtung der kleinen Gäste, ohne den Lebensraum zu sehr zu beeinflussen.

Kernpunkte:

  • Naturnahe Gartengestaltung schafft ideale Bedingungen für Igel und andere Wildtiere.
  • Verstecke und spezielle Igelhäuser bieten Schutz vor Witterung und Fressfeinden.
  • Sichere Gartenteiche mit Ausstiegshilfen verhindern, dass Igel ertrinken und ermöglichen ihnen den Zugang zu Wasser.

Ernährung der Igel

Igel haben eine natürliche Vorliebe für Insekten, Würmer, Schnecken und manchmal auch Früchte. In unserem Garten können wir dafür sorgen, dass Igel eine ausreichende Versorgung mit natürlicher Nahrung finden, indem wir chemische Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel meiden und stattdessen auf biologischen Pflanzenschutz setzen.

Ein gelegentliches Zufüttern, insbesondere im Frühjahr und Herbst, kann sinnvoll sein, um untergewichtige Igel zu unterstützen. Als Nahrung eignen sich spezielles Igelfutter, Katzentrockenfutter oder ungewürztes Hackfleisch. Milch und Brot sollten hingegen vermieden werden, da diese Produkte den Igeln schaden können.

Die Futterstelle sollte stets sauber gehalten und das Futter in den Abendstunden bereitgestellt werden, um der natürlichen Nahrungssuche der Igel gerecht zu werden. Frisches Wasser in flachen Schalen ist unerlässlich und muss täglich erneuert werden.

Kernpunkte:

  • Eine ausreichende Versorgung mit natürlicher Nahrung wird durch Verzicht auf Chemikalien im Garten gefördert.
  • Gelegentliches Zufüttern unterstützt untergewichtige Igel in Perioden geringen Nahrungsangebots.
  • Milch und Brot sind schädlich für Igel; stattdessen sollten spezielles Igelfutter und frisches Wasser bereitgestellt werden.

Schutz vor Gefahren

Unsere Gartenbewohner, die Igel, sind vielen Gefahren ausgesetzt, die von uns oft unbemerkt bleiben. Teiche ohne Ausstiegshilfen, engmaschige Zäune, Rasenmäher und Schneckenkorn stellen ernsthafte Bedrohungen dar. Es ist unsere Aufgabe, den Garten so sicher wie möglich zu gestalten.

Dazu gehört es, Zugänge unter Zäunen zu schaffen, damit Igel ihren natürlichen Wandertrieb ausleben können. Gartengeräte und Chemikalien sollten sicher verwahrt werden, um neugierige Igel nicht zu gefährden. Auch die Überprüfung von Haufen aus Gartenabfällen vor dem Verbrennen oder Kompostieren kann Igel vor Verletzungen bewahren.

Im Garten sollten keine Fallen oder Köder ausgelegt werden, die Igel versehentlich fangen oder vergiften könnten. Zudem kann eine igelfreundliche Gartenplanung dazu beitragen, dass Igel natürliche Verstecke finden und sich sicher bewegen können ohne von Haustieren oder wilden Fressfeinden bedroht zu sein.

Kernpunkte:

  • Gefahrenquellen wie tief Wasser, Rasenmäher und Chemikalien sollten minimiert werden.
  • Durchlässe unter Zäunen und sichere Versteckplätze erhöhen die Mobilität und Sicherheit der Igel.
  • Fallen und Giftköder sind im Garten tabu, um die kleinen Stacheltiere nicht zu gefährden.

Igel im Winterschlaf

Eine besondere Zeit für Igel und Gartenbesitzer ist der Winterschlaf. Von Oktober bis April suchen sich die stacheligen Gesellen einen ruhigen und geschützten Platz, um Energie zu sparen und die kalten Monate zu überstehen. Gärten können angepasst werden, um Igel bei diesem Prozess zu unterstützen; etwa indem man Laubhaufen und Reisig beiseitelässt, die als natürliche Isolierung dienen.

Es ist wichtig, diese Haufen während des Winters nicht zu stören, da Igel dort eingekuschelt sein könnten. Auch spezielle Igelhäuser, gefüllt mit Laub oder Stroh, bieten einen idealen Unterschlupf und sollten im Schatten und geschützt vor Nordwinden platziert werden. Erwägen Sie die Vermeidung von Störungen im Garten, wie Laubbläser und häufiges Umschichten von Komposthaufen.

Igel, die spät im Jahr geboren wurden und nicht genügend Gewicht für den Winterschlaf erreichen, benötigen manchmal zusätzliche Hilfe. Eine Futterstelle hilft ihnen, die notwendigen Fettreserven aufzubauen, und ein zugänglicher Unterschlupf schützt sie vor der Kälte.

Kernpunkte:

  • Der Winterschlaf ist eine kritische Zeit für Igel, in der sie einen sicheren und ruhigen Schlafplatz benötigen.
  • Gartenbesitzer können helfen, indem sie Laubhaufen und Igelhäuser als potentielle Schlafplätze zur Verfügung stellen.
  • Störungen im Garten sollten im Winter vermieden werden, um schlafende Igel nicht zu gefährden.

Kranke und verletzte Igel

Nicht alle Igel schaffen es ohne menschliche Hilfe durch das Jahr. Insbesondere kranke und verletzte Igel brauchen unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge. Wenn Sie einen Igel finden, der tagsüber umherirrt, abgemagert aussieht oder offensichtliche Verletzungen aufweist, bedarf es einer genaueren Betrachtung.

Ein verletzter Igel sollte vorsichtig in eine Box mit Luftlöchern und einem Handtuch für Wärme und Komfort gelegt werden. Bieten Sie dem Igel Wasser an, jedoch kein Essen, und kontaktieren Sie so schnell wie möglich eine Igelauffangstation oder einen Tierarzt, der Erfahrung mit Igeln hat.

Informieren Sie sich bei Experten über die richtige Erste Hilfe für Igel. Eine Liste mit Kontaktdaten von Igelauffangstationen und Tierärzten in Ihrer Nähe ist hilfreich, um im Notfall schnell reagieren zu können. Bedenken Sie dabei immer, dass Igel Wildtiere sind und ihre Behandlung und Pflege Fachwissen erfordert.

Kernpunkte:

  • Hilfebedürftige Igel, die tagsüber aktiv sind oder krank erscheinen, benötigen menschliche Unterstützung.
  • Verletzte Igel sollten vorsichtig gehandhabt und schnellstmöglich Fachpersonal übergeben werden.
  • Eine Liste mit Kontaktdaten von Igelauffangstationen und fachkundigen Tierärzten ist für Notfälle essenziell.

FAQs

Wie erkenne ich, ob ein Igel Hilfe braucht?

Ein Igel benötigt möglicherweise Hilfe, wenn er tagsüber aktiv ist, abgemagert oder verletzt wirkt oder bei kühlen Temperaturen noch sehr klein ist. Apathisches Verhalten, Krabbeln von Fliegen oder Fliegenmaden im Fell sind ebenso Warnsignale. Bei solchen Anzeichen sollten Sie schnell handeln.

Was soll ich tun, wenn ich einen verletzten Igel finde?

Einen verletzten Igel sollten Sie vorsichtig in eine belüftete Box mit Handtüchern legen und ihm Wasser, aber kein Futter anbieten. Kontaktieren Sie umgehend eine Igelauffangstation oder einen Tierarzt mit Erfahrung in Wildtierpflege.

Dürfen Igel Milch trinken?

Nein, Milch ist nicht geeignet für Igel, da sie Laktose nicht vertragen und dies zu Verdauungsproblemen führen kann. Stellen Sie stattdessen stets frisches Wasser bereit.

Wie kann ich meinen Garten igelsicher machen?

Entfernen Sie gefährliche Fallen, Gifte und Netze, schaffen Sie Gartendurchlässe unter Zäunen und sorgen Sie dafür, dass Gartenteiche flache Ränder oder Ausstiegshilfen haben. Vor dem Rasenmähen und dem Umsetzen von Gartenabfällen ist Vorsicht geboten, um versteckte Igel nicht zu verletzen.

Wie mache ich meinen Garten attraktiv für Igel?

Eine vielfältige Pflanzenwelt, naturnahe Verstecke wie Laub- oder Reisighaufen und das Anlegen eines Igelhauses können Ihren Garten für Igel attraktiv machen. Vermindern Sie den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln, um natürliche Nahrungsquellen zu erhalten.

Kann ich Igel als Haustiere halten?

Nein, Igel sind Wildtiere und genießen gesetzlichen Schutz. Sie sollten im Garten lediglich eine natürliche Umgebung vorfinden, die ihre Bedürfnisse erfüllt, und dürfen nicht wie Haustiere gehalten oder eingeschränkt werden.